"Mut zur Wildnis" - gegen das Bienensterben

Bunte Bienenwiesen auf dem Schulgelände sollen ein Zeichen gegen das weltweite Bienensterben setzen

In der modernen Kulturlandschaft fehlt es immer mehr an Landschaften, in denen über mehrere Monate die Nahrungs-grundlage von Bienen, nämlich vielfältige Blütenpflanzen, vorhanden sind. Zwar gibt es Mitte Mai viele große Rapsfelder, aber dies sind Monokultur-Bestände, die der Biene nur wenige Wochen zur Verfügung stehen. Ein Flugradius der Tiere von 2 bis 3 Kilometer reicht dann nach der Rapsblüte nicht mehr aus, weil es ansonsten kaum andere Blütenpflanzen gibt.

wildness1(Text und Foto: Frau Dr. Poremba)

„Endlich geht es los!“ meinte Julius, denn die Unterrichtseinheit und der Besuch bei den Kinotagen in Heide, bei denen es um die Biene als nützliches und gefährdetes Tier ging, sind schon etwas länger her. Doch alles muss gut geplant und organisiert sein. Die Gemeinde Büsum hilft der Schule am Meer, indem sie fachmännisch die Grasnarbe entfernt. Im Anschluss säen die Schüler, wässern und jäten Unkraut bis die bunte Blumenpracht zum Vorschein kommt. „Dann wird es richtig interessant“, sagen Wencke, Niclas und Eileen und freuen sich schon auf die Beobachtungsflächen. So sollen drei bunte bienenfreundliche Wiesen von insgesamt 120 qm Größe entstehen, um auch in der Öffentlichkeit auf das Aussterben der Bienen vor unserer Haustür aufmerksam zu machen. Es ist ein kleiner Beitrag zur Verbesserung unserer heimischen Umwelt, da sind sich die Biologielehrerinnen Frau Heinrich und Frau Dr. Poremba einig.
Umdenken in der Bevölkerung steht an der Tagesordnung, denn wenn die Bienen aussterben, wirkt sich das auch auf die Menschen aus.

US-Forscher haben berechnet, dass die mit den Ernteausfällen verbundene Mangelernährung zu ca. 1,5 Millionen zusätzlichen Todesfälle pro Jahr führen kann (Die Welt).
„Ich möchte jedenfalls nicht bei meinen Eltern im Garten auf den Obstbäumen im Frühjahr sitzen müssen und mit einem Pinsel die Blüten mit Blütenstaub bestäuben, damit Früchte entstehen“, meinte Thede aus der Klasse 8b auf die Frage hin, warum Bienen eigentlich so wichtig für die Ernährung sind. Ohne Bienen gäbe es nicht nur keinen Honig, auch Obst und Gemüse würden zu sehr teuren Produkten. Die Tiere bestäuben ca. 80 Prozent unserer Nutz- und Wildpflanzen.
Die genauen Ursachen des Bienensterbens sind vielfältig und teilweise unbekannt. Untersucht wurden die schädlichen Pestizideinsätze in der Landwirtschaft und die immer mehr favorisierten Monokulturlandschaften und der damit einhergehende Fortfall ökologischer Nischen nicht nur für die Bienen, sondern auch für die gesamte Wildfauna. Die Zunahme von Infektionen und Parasitenbefall der Bestäuber (z.B. der Varroamilbe), hervorgerufen durch ein minderwertiges Immunsystem, stehen ebenfalls im Vordergrund der Forschung. Experten warnen bereits, dass einzelne Bienenarten schon in zehn Jahren ausgestorben sein könnten. In Deutschland ist die Zahl der Bienenvölker seit 1952 von 2,5 Millionen auf heute weniger als eine Million zurückgegangen (Deutsche Imkerbund).
Ein neuer Trend stellt die Großstadt als „Rettungsinsel der Artenvielfalt" dar. Viele Tierarten seien durch die Monokulturlandschaften auf dem Land vom Aussterben bedroht und könnten in Städten, die viele unterschiedliche Lebensräume, wie Parks und Gärten mit zahlreichen Vegetationszonen anbieten, überleben, so auch die Biene.
Wir wollen auch Honig aus unserer Region“, meinten die Schüler der Mittelstufe einhellig, „Warum können keine Kompromisse stattfinden?", äußerte sich Marco. Eine vielfältige Umwelt mit vernetzten Naturschutzgebieten in Verbindung mit verzahnten Kulturflächen in ganz Europa und Städte mit vielen unterschiedlichen ökologischen Nischen würden nicht nur dem Menschen auf dem Land oder dem Menschen in der Stadt gut tun, sondern auch allen Tieren.
Im neuen Schuljahr packen die Schüler das Thema „Honigherstellung“ an und wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann auch SaM-Honig!